Das Paradies ist sein Revier: Father Mark ist katholischer Pfarrer für einige der malerischsten Inselchen der Grenadinen. Zu seinem Sprengel gehören auch die Tobago Cays, eine Gruppe winziger Palmeneilande umspült von türkisblauem Wasser. Ein himmlischer Platz, würden nicht teuflische Machenschaften die Idylle bedrohen.

Von Bernhard Grdseloff

Vor 15 Jahren übernahm Father Mark die Pfarren von Mayreau, Bequia und Mustique. Nun lebt der frühere Verwalter der Kathedrale von Kingstown, der Hauptstadt St. Vincents, in einem winzigen Kämmerchen hinter dem malerischen Dorfkirchlein von Mayreau. In Stress kommt er höchstens zu Weihnachten und Ostern. „Da muss ich am selben Abend auf allen drei Inseln predigen“, erzählt der Geistliche. „Von der Kanzel laufe ich schnurstracks zum Boot oder Flugzeug, um pünktlich bei der nächsten Messe zu sein.“

Beim seelsorgerischen Inselhüpfen muss sich der Hirte auf völlig unterschiedliche Schäfchen einstellen. Füllen in Mayreau einfache Fischer die Kirchenbänke, so blickt er in Mustique vom Altar auf die Schönen und Reichen dieser Welt herab: Wirtschaftsbosse, gekrönte Häupter und Popstars bevölkern mit ihren Feriendomizilen die noble Privatinsel.

Das Herz von Father Mark gehört jedoch den 280 armen Seelen von Mayreau. „Allein von der Fischerei können die Menschen kaum mehr leben“, sagt er. „Die einzige Hoffnung ist der Tourismus.“ Um seiner Gemeinde den Weg dazu zu ebnen, gründete der Pfarrer eine Organisation, die das sensible Ökosystem der Tobago Cays schützen und den Einheimischen gleichzeitig Möglichkeiten geben will, am Fremdenverkehr zu verdienen.

„Mit finanzieller Unterstützung von der Europäischen Union ist es uns gelungen, die Tobago Cays von der Regierung zum Nationalpark erklären zu lassen“, freut sich der Grüne Theologe. „Wir wollen, dass die Einheimischen als Parkranger und mit Dienstleistungen für die Besucher ihren Lebensunterhalt verdienen können.“

Doch gerade erst aus der Taufe gehoben, braut sich teuflisches Unheil über dem Nationalpark aus. „Dubiose ausländische Geschäftemacher versuchen, das Projekt an sich zu reißen, um daraus Profit für die eigene Tasche zu schlagen“, fürchtet Father Mark die Vertreibung seiner Schäfchen aus dem Paradies und hofft, dass engagierte Touristen seiner Gemeinde als Schutzengel beistehen: „Wer uns helfen will, muss an die europäischen Politiker appellieren, damit die Fördergelder an die richtige Stelle gehen!“