Die ganze Karibik trägt ihren Namen – doch nur Dominica blieb den Kariben-Indinanern als allerletzte Zuflucht. Dort hat das stolze Volk sein eigenes Territorium. Im Juni 2003 war es 100 Jahre her, dass ihm dieses Reservat zugesprochen wurde. Doch der Stamm möchte die von den Europäern gezogenen Grenzen nicht mehr hinnehmen: „Wir wollen uns frei zwischen den Inseln bewegen, wie einst unsere Ahnen“. 

Bernhard Grdseloff

Dieser Anspruch war auch Anlass für den letzten blutigen Kampf der Kariben gegen die Engländer 1930. „Unsere Vorfahren trieben Handel mit den benachbarten französischen Nachbarinseln Martinique und Guadeloupe, für die Behörden war das aber Schmuggel“, erzählt Gerard Langlais, der sich als Schamane um die Pflege der Stammestraditionen kümmert. „Als sich unsere Leute gegen die Beschlagnahme der Waren wehrten, wurden zwei getötet und unser Häuptling Jolly John eingesperrt.“

Zur Erinnerung an diese Ereignisse finden jedes Jahr um den 19. September Gedenkfeiern statt. Dazu gehört auch die Wahl einer Schönheitskönigin der Kariben: Zu Ehren der Ahnen tragen die Kandidatinnen Kostüme, die alte Sagen- und Götterfiguren darstellen.

Doch die Forderung nach Reisefreiheit ist nach wie vor nicht erfüllt. Im Gegenteil: Nach Abzug der Kolonialmächte ist fast jede Insel ein anderer Staat: „Wo immer wir hin wollen, verlangt man von uns Visa“, ärgert sich Langlais. Zumindest untereinander haben Kariben aber die Grenzen überwunden: Die Indianer Dominicas pflegen rege Kontakte zu Stämmen in Guyana und Belize