Es gibt sie wirklich: Unberührt von der Zivilisation, mit wiegenden Kokospalmen, perlweißem Strand und türkisblauem Meer. Vor der Nordküste Grenadas und in den Grenadinen liegt eine handvoll Inseln wie aus dem Bilderbuch: jede einzelne ein karibischer Traum. Allerdings: Der Weg zu den letzten Paradiesen ist nicht leicht…

Bernhard Grdseloff

Jacht oder Fischerboot – kein anderer Weg führt zu den Inseln, von denen zwei gelegentlich von Tagesausflüglern besucht werden: Petit Tabac in den Tobago Cays und Sandy Island vor der Westküste Carriacous. Beide stehen unter Naturschutz und sind daher nicht völlig unbekannt. Die anderen sind nur wenigen Einheimischen und Eingeweihten ein Begriff: Das zweite Sandy Island vor der Nordküste Grenadas und das märchenhafte White Island. Letzteres gehört zu einem einsamen Archipel südlich von Carriacou – bewohnt von bemerkenswerten urzeitlichen Wesen.

“Es ist ein kleines Galapagos mit einer ganz besonderen Tier- und Pflanzenwelt”, schwärmt Biologe Don Dorfman von der Monmouth Universität in New Jersey. “Die dominante Art ist eine Morocoy genannte Landschildkröte, ein entfernter Verwandter der Galapagos-Schildkröten.” Ihr Lebensraum ist ein Paradies mit Ablaufdatum.

“Die Inseln sind hochempfindliche Ökosysteme”, warnt Kurt Cordice, Manager des Tobago Cays Marineparks. “Ein Wirbelsturm oder Meerbeben kann sie jederzeit vernichten.”

Vielleicht ist das der Grund dafür, daß der Besitzer von White Island sein Paradies verkaufen will. Via Internet bietet er die Insel für einen Millionenbetrag an.

Es geht auch billiger: Ohne lange zu fragen nahm Russel Douglas das winzige Green Island in Beschlag und wohnt dort als Einsiedler. Einige hundert Meter weiter am Außenriff von Union Island baute sich ein findiger Insulaner aus Schneckenhäusern selbst eine Insel. Kostenpunkt: 1.500 Dollar.